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- 27. Januar 2026 – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – Nie wieder ist jetzt!
Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus in der Region zeigen, wie schnell der Faschismus vor Ort Realität wurde Im Zusammenhang mit dem Vorgehen der amerikanischen Polizei- und Zollbehörde ICE bemühen viele Kritiker den Vergleich mit der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch wenn dieser Vergleich übertrieben sein mag, so wird aktuell doch deutlich, dass selbst in scheinbar stabilen Demokratien rechtstaatliche Prinzipien schnell außer Kraft gesetzt werden können. Die Deutschen sollten das aus historischer Erfahrung wissen, doch die Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus bleibt oft reflexhaft und abstrakt. Erhellender und emotional greifbarer ist eher der Blick auf das historische Geschehen vor Ort: Regionalforscher wie Bernhard Gelderblom, Klaus Kieckbusch oder Ernst Würzburger haben durch die intensive Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in der Region des Weserberglandes beispielhafte Bücher vorgelegt, die die Schicksale zahlreicher Menschen aus den Dörfern und Städten des Weserberglandes ganz konkret dokumentieren. Im Vordergrund stehen Menschen jüdischer Herkunft, die von den Nazis misshandelt und getötet wurden, es werden aber auch die nicht weniger schrecklichen Schicksale anderer Randgruppen, wie Sinti und Roma, oder von politischen Gegnern dokumentiert. Nicht zuletzt haben die Nationalsozialisten zehntausende von Zwangsarbeitern in das Weserbergland verschleppt, um ihre Arbeitskraft in der Landwirtschaft und in Industriebetrieben zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft auszubeuten. Die Publikationshistorie des Verlags Jörg Mitzkat ist eng verbunden mit der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus im Weserbergland. Schon 1996 erschien das Buch „Zwangsarbeit im Oberwesergebiet Band 3“. Verleger Jörg Mitzkat hatte bei den Vorgängerpublikationen bei Recherche und Fotografie bereits ehrenamtlich mitgewirkt. Ein weiteres großes Publikationsprojekt war die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in der Region. In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden entstanden so verschiedene Publikationen, die die Geschichte der Juden in dem eng begrenzten Raum des Landkreises Holzminden fast lückenlos abbilden. Weitere Publikationen zum gleichen Thema folgten für angrenzende Gebiete in den Landkreisen Hameln, Northeim und Höxter. Eine wichtige Lücke in der Geschichtsschreibung hat Klaus Kieckbusch mit seinem Buch „Außerhalb der Volksgemeinschaft“ geschlossen. Die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma sowie anderen Bevölkerungsgruppen ist – im Gegensatz zur Erforschung der jüdischen Geschichte – auf regionaler Ebene bisher kaum dokumentiert worden. Die Forschungsergebnisse von Klaus Kieckbusch sind erschreckend und lassen Kontinuitäten der Ausgrenzung über das Kriegsende hinaus erkennen. Mit dem Buch „Nationalsozialismus im Weserbergland“ haben die Autoren Christoph Reichardt und Wolfgang Schäfer ein Buch vorgelegt, das sich mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und ihrem geschickten Vorgehen beim Ausbau und der Sicherung ihrer Herrschaft beschäftigt. In ihrer aktuellen Publikation „Lebenswege unterm Hakenkreuz“ beleuchten die beiden Autoren die Schicksale von unterschiedlichen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus – es werden die Karrieren von Naziführern geschildert, die aber auch mit einem tiefen Fall enden konnten, parallel werden Oppositionelle vorgestellt, die immer wieder drangsaliert wurden, oder Mitläufer, die erst spät erkannten, welche Verbrechen sie zwischen 1933 und 1945 unterstützt hatten. Neben diesen gründlich recherchierten Geschichtsbüchern hat der Verlag auch eine Reihe von Büchern mit authentischen Zeugnissen von Opfern des nationalsozialistischen Machtapparates publiziert. In den Erinnerungen von Olga Barbesolle „Les Sans-Amour“, den Tagebuchaufzeichnungen von Vladimir Varinsky und den Aufzeichnungen von Dr. Amand Roux „Im Zeichen des Zebras“ aus dem Zwangsarbeiterlager bei Holzen im Hils kommen die Opfer von Krieg und Verschleppung selbst zu Wort. Ein weiteres bemerkenswertes Dokument ist das Buch „Am schlimmsten waren das Heimweh und der Hunger“, mit dem der Hamelner Autor Bernhard Gelderblom seinen Briefverkehr mit ehemaligen Zwangsarbeitern aus Hameln dokumentiert – neben der reinen Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen ist es besonders wichtig, dieses Geschehen aus Sicht der Opfer darzustellen. Die Schilderungen der seinerzeit sehr jungen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind auch für die Vermittlung des regionalen Geschehens zwischen 1933 und 1945 in den Schulen vor Ort ausgesprochen wichtig. Zu diesem Thema ist aktuell die vom Verlag Jörg Mitzkat aufwändig gestaltete Ausstellung „NS-Zwangsarbeit in Hameln-Pyrmont“ in der Aerzener Domänenburg zu sehen (bis 8. Februar 2026). Dem Verlag ist es wichtig, alle Bücher zu diesem wichtigen Thema langfristig lieferbar zu halten, deshalb werden auch einst vergriffene Publikationen durch den Nachdruck mit moderner Digitaltechnik lieferbar gehalten. Denn diese Bücher sind doch die einzigen öffentlich zugänglichen Zeugnissen des historischen Geschehens in dieser Region. Aufgrund der absoluten Unberechenbarkeit und der urheberrechtlichen Ignoranz der bekannten KI-Systeme verzichtet der Verlag auf rein digitale Veröffentlichungen. Wer wissen möchte, was zwischen 1933 und 1945 im Weserbergland geschah, muss schon Bücher lesen. Eine Auswahl der im Verlag Jörg Mitzkat erschienenen Bücher zum Thema Nationalsozialismus im Weserbergland
- Die Arbeit nahm kein Ende – Frauenleben im Solling
Landfrauen im Fokus: Unbezahlte Care-Arbeit ist in den vergangenen Jahren stärker in Fokus geraten. Vor allem Frauen leisten diese Arbeit und die gesellschaftliche Anerkennung dieser Leistungen ist längst noch nicht erfolgt. Was Frauen in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahrzehnten an weitgehend unbezahlter Arbeit leisteten, erreichte allerdings eine ganz andere Dimension, die beim historischen Blick auf diese Zeit auch heute noch kaum beachtet wird. Das Buch „Die Arbeit nahm kein Ende“ behandelt die Lebenserfahrungen von drei Frauengenerationen im 20. Jahrhundert. Es basiert auf Interviews und Expertengesprächen, die Friederike Kaiser in Uslar und den umgebenden Dörfern durchgeführt hat. Das Buch erschien vor 15 Jahren zu einer Ausstellung im Museum Uslar in einer kleinen und schnell vergriffenen Auflage. Da die Arbeit und das Leben von Landfrauen in der Forschung kaum beachtet wurde, stellt dieses Buch ein einzigartiges Zeugnis dar, dessen Wiederveröffentlichung überfällig war. Der Verlag Jörg Mitzkat hat das Werk in einem lesefreundlichen Format mit zahlreichen historischen Bildern nun neu veröffentlicht. Dr. Friederike Kaiser schreibt in ihrem aktualisierten Vorwort: „Was die befragten Frauen über die Lebensumstände in der Zeit unserer Mütter, Großmütter und Urgroßmütter berichtet haben, ist in seiner Härte und Ungerechtigkeit weit entfernt von jeder Romantisierung des Landlebens. Es nötigt uns aber Respekt und auch Bewunderung ab für ihre Kraft, ihr Durchhaltevermögen und die Gabe, aus allem das Beste zu machen und sich an kleinen Dingen zu erfreuen. In unserer modernen Zeit geht uns das oft ab und wir fühlen uns unzufrieden trotz der Fülle, die uns umgibt. Eine Rückbesinnung auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen, auf das, was wirklich zählt jenseits von ausuferndem Konsum, ist vielleicht etwas, das wir von den alten Landfrauen mitnehmen können.“ In diesem reich bebilderten Lesebuch kommen Frauen unterschiedlicher Lebensalter und Milieus zu Wort und erzählen von Kinderspiel und Kinderarbeit, von langen Arbeitstagen als Dienstmädchen und Kleinbäuerin, vom Heu wenden, Kartoffelroden und Wäsche waschen, vom Schlachten und Einkochen, dem Zuverdienst in der Fabrik ebenso wie vom Vergnügen beim Kirmestanz. Die Frauen berichten von großen Umwälzungen im Dorfleben und Auseinandersetzungen um ein selbstbestimmtes Leben. Das Buch umfasst 204 Seiten und ist zum Preis von 24,80 € hier im Shop erhältlich. Steineleserinnen auf einem Feld bei Kammerborn im Solling, 1940er Jahre
- Neues Buch ist auch Werbung für die Demokratie
Das Buch „So lebten sie alle Tage – Alltagsgeschichten aus dem Weserbergland“ enthält, so Uslars Bürgermeister Torsten Bauer in seiner Einführung zur offiziellen Buchvorstellung im Museum Uslar, "in gewisser Weise die Zusammenfassung der Themen und Forschungen, die Herr Dr. Schäfer während seines Berufslebens als Museumsleiter und Stadtarchivar bei uns in Uslar zusammengetragen hat. Seit 1994 füllte er diese beiden Funktionen aus und hat in den folgenden Jahrzehnten bis zu seinem Eintritt in das Rentenalter insbesondere das Museum zu einem Zentrum der Regionalforschung entwickelt." Weiter sagte Bauer: "Das vorliegende Buch erzählt Geschichten aus der Geschichte unserer Region und spannt dabei immer wieder den Bogen von den Vorgängen im Kleinen zur großen Politik. In der Schule lernen wir die großen Entwicklungen der Geschichte kennen und hier sehen wir, wie sie sich ganz konkret im Leben der Zeitgenossen vor Ort auswirkten. Dabei spielt auch das Verhältnis von Stadt und Land immer wieder eine Rolle und ich erkenne in diesem Buch nicht zuletzt eine Werbung für die Demokratie." Der aktuelle Museumsleiter Dr. Daniel Althaus stellte das Werk seines Vorgängers sehr ausführlich vor und gab einen Überblick über die unterschiedlichen undfacettenreichen Kapitel. Zunächst aber stellte er fest, was ihm beim ersten Durchblättern des Buches aufgefallen ist: "Die vielen historischen Bilder. Sie zeigen unsere Region wie sie einmal war und geben den Menschen von einst ein Gesicht. Allein schon wegen dieser Sammlung von historischen Aufnahmen ist dieses Buch wertvoll. Es konserviert das Abbild vergangener Zeiten, das meines Erachtens heute immer mehr in Gefahr gerät. Die technischen Möglichkeiten, mit denen wir heute auch in historische Fotografien eingreifen können, schreiten immer weiter voran, sind aber auch kritisch zu hinterfragen. Sicher ist es faszinierend, wenn man den Urgroßvater plötzlich in Farbe und in Bewegung sehen kann, man verfälscht damit aber auch immer eine historische Quelle. Deshalb bin ich mit Herrn Bauer einer Meinung, dass Bücher zur Heimatgeschichte immer noch ein ganz wichtiger Baustein bei der Entwicklung einer regionalen Identität sind." Bevor Dr. Wolfgang Schäfer einige kurze Kapitel des Buches vortrug, stelle Althaus zusammenfassend fest: "Ich denke, dass mit dem vorliegenden Buch ein gut zu lesendes und auch durchaus unterhaltsames Werk entstanden ist, in dem man gern selbst schmökert oder es an andere verschenkt. Es ist aber auch ein Dokument der Zeitgeschichte, das einen wissenschaftlichen Wert besitzt und Wissen für die Zukunft konserviert. Ich hoffe zudem, dass dieses Buch auch außerhalb des Sollings und des Weserberglands gelesen wird und damit unsere Heimat bekannter macht. Wir merken im Museum immer wieder, dass unsere Geschichte nicht nur die Einheimischen interessiert, sondern auch bei Gästen aus anderen Gegenden auf Interesse stößt. Nicht zuletzt haben unsere Publikationen in den letzten Jahren weitere Forschungsprojekte von Hobbyhistorikern und Studenten angestoßen, die ebenfalls zur Verbreiterung und Vertiefung unseres Wissens über die Regionalgeschichte beigetragen haben. Das Buch will Alltagsgeschichten aus dem Weserbergland erzählen und berührt viele Aspekte des Alltagslebens vergangener Zeiten. Von den Grundbedürfnissen der Menschen, wie Essen und Wohnen bis zu den verschlungenen Pfaden der Politik, wird das Leben unserer Vorfahren zu verschiedenen Epochen greifbar und mit etwas Phantasie auch vorstellbar."






