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Formen der Verfolgung während des Nationalsozialismus im Kreis Holzminden

Klaus Kieckbusch widmet sich in diesem Buch den von den nationalsozialistischen Machthabern ab 1933 ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen in Stadt und Kreis Holzminden: Wie erging es den Sinti und Roma, den politischen Gegnern der Nationalsozialisten, Homosexuellen, den als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ Verfolgten, Wehrdienstverweigerern, Zeugen Jehovas und Hörern verbotener Radiosender? Nicht thematisiert sind die jüdischen Verfolgten aus der Region, da ihr Schicksal bereits in anderen Publikationen des Heimat- und Geschichtsvereins für Landkreis und Stadt Holzminden umfassend dargestellt wurde.
Das Ergebnis von Klaus Kieckbuschs langjährigen Forschungen ist erschreckend: Die Zahl der Opfer der oben genannten Bevölkerungsgruppen übersteigt sogar noch die Zahl der jüdischen Opfer unter der nationalsozialistischen Herrschaft im Kreis Holzminden.
Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, schreibt in seinem Grußwort, dass insbesondere hinsichtlich der Sinti und Roma die Ausgrenzungsdiskurse und -praktiken nach 1945 nicht endeten, sondern fortbestanden, wenn auch abgemildert. Auch dies zeige Klaus Kieckbusch in erschreckender Deutlichkeit. Es habe eben keine „Stunde Null“ gegeben, sondern viele Kontinuitäten über den April/Mai 1945 hinaus.

Außerhalb der „Volksgemeinschaft“

Artikelnummer: 9783959540810
24,80€Preis
inkl. MwSt. |
Anzahl
  • PRODUKTINFO

    ISBN13: 978-3-95954-081-0
    Autor(en): Klaus Kieckbusch
    Seitenanzahl: ca. 464
    Format (H x B): 24,0 x 17,0 cm
    Gewicht: 1.050 g
    Produktform: Hardcover
    Sprache: Deutsch
    Veröffentlichung: 22.01.2020
    Leseprobe: ansehen

  • SCHLAGWORTE

    Nationalsozialismus; Landkreis Holzminden; Stadtoldendorf, Eschershausen; Stadt Holzminden; Land Braunschweig; Ernste Bibelforscher; Bodenwerder, Kemnade; Golmbach; Homosexuelle; Coppengrave; Naziopfer; Zeugen Jehovas; Sozialdemokraten; Delligsen; Sinti; Roma; Kommunisten

  • Außerhalb der Volksgemeinschaft

    Mehr als acht Jahrzehnte nach den monströsen Verbrechen der Nationalsozialisten stellt sich – angesichts der Tatsache, dass die letzten Überlebenden und Zeitzeugen bald sterben werden – die Frage nach dem zukünftigen Umgang mit diesem historischen Ereignis. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Lücken der Geschichtsschreibung stellenweise sehr groß sind.
       Mit seinem Buch „Außerhalb der Volksgemeinschaft – Formen der Verfolgung während des Nationalsozialismus im Kreis Holzminden“ ist es dem Autor Klaus Kieckbusch gelungen, auf regionaler Ebene eine große Wissenslücke zu schließen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Geschichte der jüdischen Mitbürger und ihre Schicksale während der Zeit des Nationalsozialismus an vielen Orten regionalgeschichtlich untersucht. Dadurch wurden viele Opfer namentlich bekannt und konnten gewürdigt werden. Außerdem wurde deutlich, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht erst in den fernen Konzentrationslagern stattfanden, sondern ihre Basis in der Ausgrenzung und Entrechtung vor Ort hatten. Ohne die unzähligen Mitläufer und Täter vor Ort wäre der Holocaust nicht möglich gewesen.
       Aber das Schicksal der Juden ist nur ein – wenn auch besonders schrecklicher – Aspekt der nationalsozialistischen Rassen- und Ausgrenzungspolitik. Auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Sozialdemokraten und Kommunisten, Homosexuelle sowie vermeintlich „Asoziale“ und andere Bevölkerungsgruppen, die nicht zum rassistisch und nationalistisch geprägten Weltbild der Nationalsozialisten passten, wurden drangsaliert, verfolgt und ermordet. Die Schicksale dieser Menschen sind vor allem auf regionaler Ebene bisher kaum gewürdigt worden. Klaus Kieckbusch, der vor mehr als 20 Jahren das Buch „Von Christen und Juden in Holzminden“ veröffentlicht hat, ist einer der wenigen Regionalforscher, der sich intensiv mit dem Schicksal dieser nicht-jüdischen Verfolgten beschäftigt hat. 
       
       Das Ergebnis seiner Untersuchungen ist erschreckend: Dutzende von Sinti und Roma aus dem Landkreis Holzminden verloren in den Konzentrationslagern der Nazis ihr Leben. Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Opfer aus den oben genannten Bevölkerungsgruppen – aufgrund der Vielschichtigkeit der Verfolgungsmethoden und der Unmöglichkeit, alle Fälle zu recherchieren, verbietet sich die Nennung einer konkreten Zahl. All diejenigen Opfer der Verfolgung, deren Schicksal Klaus Kieckbusch nachspüren konnte, werden in dem Buch genannt. Da an viele dieser Menschen nun erstmals überhaupt in diesem Zusammenhang gedacht wird, handelt es sich bei der Publikation von Klaus Kieckbusch auch um ein Gedenkbuch. Gleichzeitig wird die Frage drängend, wie dieser Opfer auch auf andere Weise gedacht werden kann. 
       Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, würdigt in seinem Grußwort die überaus verdienstvolle Arbeit von Klaus Kieckbusch. Darüberhinaus merkt Wagner an, dass insbesondere hinsichtlich der Sinti und Roma die Ausgrenzungsdiskurse und -praktiken nach 1945 nicht endeten, sondern fortbestanden, wenn auch abgemildert. Auch dies zeige Klaus Kieckbusch in erschreckender Deutlichkeit. Es habe eben keine „Stunde Null“ gegeben, sondern viele Kontinuitäten über den April/Mai 1945 hinaus.
       
    Auszug aus dem Grußwort von Dr. Jens-Christian Wagner zu „Außerhalb der Volksgemeinschaft“
       
    Die Nationalsozialisten schufen zwischen 1933 und 1945 eine radikal rassistisch organisierte Gesellschaftsordnung, die zwischen angeblich wertvollen deutschen „Volksgenossen“ auf der einen und „Gemeinschaftsfremden“ auf der anderen Seite unterschied. Wer als „gemeinschaftsfremd“ und „unwert“ galt, wurde ausgegrenzt, abgesondert und am Ende auch in vielen Fällen ermordet. [...]
       Ihrem Schicksal widmet sich Klaus Kieckbusch im vorliegenden Buch in lokal- und regionalgeschichtlicher Perspektive [...]
       Klaus Kieckbusch kann für die vorliegende Arbeit nicht genug gedankt werden. In jahrelanger Arbeit hat er akribisch die Bestände aller einschlägigen Archive (insbesondere im Kreisarchiv Holzminden und im Niedersächsischen Landesarchiv) und zahlreicher Privatsammlungen ausgewertet, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt und sich mit geradezu kriminalistischem Gespür vor Ort auf Spurensuche begeben – und das alles ehrenamtlich, ohne jegliche Bezahlung. Herausgekommen ist ein biographisches Kompendium der NS-Verfolgung in der Region Holzminden, das erschreckend deutlich macht, wie weit der nationalsozialistische Repressionsapparat bis in den letzten Winkel Deutschlands hineinreichte [...]
       Die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nicht an zentrale Orte wie etwa große KZ-Gedenkstätten delegiert werden. Ansatzweise fassbar werden die NS-Verbrechen erst beim Blick auf das lokale Geschehen vor Ort. Die Verbrechen fanden eben nicht nur hinter Wäldern und Bergen versteckt in scheinbar isolierten Lagern statt oder irgendwo im diffusen „Osten“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustür. [...]
       So entstanden auch im Kreis Holzminden Leerstellen in der Geschichtsschreibung und in der Erinnerung sowie in der Würdigung der NS-Verfolgten – Leerstellen, die Klaus Kieckbusch mit dem vorliegenden Buch gefüllt hat. 
       
    Dr. Jens-Christian Wagner
       Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
       
    Aus Anlass dieser Neuerscheinung hat der Verlag Jörg Mitzkat das erste Buch von Klaus Kieckbusch „Von Juden und Christen in Holzminden“ neu aufgelegt. Beide Bücher wurden vom Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden herausgegeben, und sind  im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.






     

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