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Klaus Kieckbusch gestorben

  • Autorenbild: Jörg Mitzkat
    Jörg Mitzkat
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Der ehemalige Holzmindener Lehrer und engagierte Heimatforscher Klaus Kieckbusch ist am 29. März 2026 im Alter von 94 Jahren gestorben. Die Bücher und Aufsätze von Klaus Kieckbusch zählen zu den regionalhistorisch wichtigsten Veröffentlichungen für Stadt und Landkreis Holzminden. Für seine Forschungsarbeit wurde Kieckbusch mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Klaus Kieckbusch zählte zu den Gründungsmitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins für Landkreis und Stadt Holzminden. Er hat die Aufgabe, die sich der Verein mit der Gründung der Arbeitsgruppe "Drittes Reich (Zeitgeschichte)" selbst gestellt hat, sehr ernst genommen: Die Geschichte der NS-Zeit in der Region detailliert aufzuarbeiten. Dabei ließ sich Kieckbusch von der Maßgabe leiten, dass Erkenntnisse über lokale Ereignisse dabei helfen können, die größeren, allgemeineren Entwicklungen besser zu durchdringen.

Mit "Von Juden und Christen in Holzminden" erschien 1998 sein erstes umfangreiches Buch: Auf 624 Seiten dokumentiert Kieckbusch die Geschichte der Juden in Holzminden und ihr Schicksal in der NS-Zeit. Bei den Recherchen zu diesem Buch wurde er auch auf zahlreiche Schicksale von anderen Menschen aufmerksam, die von den Nationalsozialisten aus unterschiedlichen Gründen verfolgt und zum Teil ermordet wurden. Schicksale, die andernorts oftmals nicht im Fokus standen und wegen der schwierigen Quellenlage nur mit großen Aufwand zu recherchieren waren. Klaus Kieckbusch haben die Schwierigkeiten nicht abgehalten. Es brauchte aber mehr als 20 Jahre bis im Jahre 2020 das Buch "Außerhalb der Volksgemeinschaft – Formen der Verfolgung während des Nationalsozialismus im Kreis Holzminden" erschien. Darin widmet sich Kieckbusch in 13 Kapiteln den Schicksalen ganz unterschiedlicher Menschen: NSDAP-Gegner, Bibelforscher oder Zeugen Jehovas, Homosexueller, Wehrdienstverweigerer, Hörer verbotener Radiosender sowie der Holzmindener Sinti. Dabei kommt der Autor zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die Zahl der Opfer dieser Bevölkerungsgruppen die der jüdischen Opfer noch übersteigt. Und eine weitere beunruhigende Erkenntnis vermittelt Klaus Kieckbusch in diesem Buch: Er weist nach, dass es für viele dieser Menschen keine Stunde Null gegeben hat, sondern viele Kontinuitäten der Ungleichbehandlung über den April/Mai 1945 hinaus bestanden haben.


Ein weiteres Anliegen war es für den ehemaligen Lehrer, die Schulgeschichte des heutigen Campe-Gymnasiums aufzuarbeiten, dabei wies er nach, dass dieses Gymnasium seinen Ursprung in der Schule des Klosters Amelungsborn hat, also auf eine mehr als 450-jährige Kontinuität zurückblicken kann. Davon erzählt sein Buch: "Von der Lateinschule im Kloster Amelungsborn seit 1569 und ihrem Weiterleben in Holzminden seit 1760".

Auch für die Jahrbücher des Heimat- und Geschichtsvereins hat Klaus Kieckbusch zahlreiche Aufsätze verfasst. Herausragend ist dabei sicherlich sein fast 100 Seiten umfassender Beitrag "Jüdisches Leben in Boffzen von 1620 bis 1945" im Jahrbuch 2006. Oder sein Aufsatz über den in Holzminden geborenen Schriftsteller Gerson Stern im Jahrbuch 2000.

All die oben genannten Bücher und auch alle Jahrbücher, in denen Kieckbusch publiziert hat, sind noch erhältlich. Vergriffen ist hingegen Kieckbuschs Buch "Von Ackerleuten, Hexen und Söldnern / Bürgerleben in Holzminden vor und nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges / Mit einer Liste der Einwohner zwischen 1598 und 1637". Bei entsprechender Nachfrage wäre es allerdings auch möglich, dieses Buch in kleiner Auflage neu aufzulegen.

Mit den in all diesen Büchern dokumentierten regionalgeschichtlichen Forschungsergebnissen hat Klaus Kieckbusch eine maßgebliche und bleibende Arbeit zur Geschichte von Stadt und Landkreis Holzminden geleistet.




 
 
 

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