Januar 2019

27. Januar – Tag des Gedenkens

Bücher als "Form des Erinnerns"

Im Jahre 1996 ist der 27. Januar, der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee, zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt worden. Der damalige Bundespräsident Herzog sagte zur Einführung des Gedenktages: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ 2005 wurde dieser Tag durch die Vereinten Nationen auch zum  Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.
Zahlreiche Institutionen tragen alljährlich dazu bei, die Erinnerung an die Opfer des beispiellosen Verbrechens der Nationalsozialisten zu bewahren.
Neben Gedenkveranstaltungen und Denkmälern sind Bücher die wichtigsten Medien der Erinnerungskultur auf regionaler und überregionaler Ebene. Zahlreiche Autoren und Wissenschaftler haben die Ereignisse der NS-Zeit sowie die Geschichte der Juden vor Ort akribisch recherchiert und dokumentiert. Genauso wie mittelalterliche Burgen oder prachtvolle Renaissancegebäude in den Städten an die Geschichte der Region erinnern, werden in den Büchern über die NS-Zeit oder die Geschichte der Juden konkrete Orte gezeigt, an denen sich Historie ereignet hat; Orte, die für das Leid der Opfer, den Machtmißbrauch der Täter oder auch für Gerechtigkeitssinn und Mut stehen.
Seit 1994 publiziert der Verlag Jörg Mitzkat aus Holzminden Bücher zu regionalen Themen, und von Anfang an haben Bücher über die Zeit von 1933 bis 1945 einen breiten Raum im Verlagsprogramm eingenommen.
Die von Detlef Creydt und dem Heimat- und Geschichtsverein Holzminden herausgegebenen Bücher über Zwangsarbeit im Hils zählten zu den ersten regionalen Publikationen zu diesem Thema. Diese Lücke in der Geschichtsschreibung des Kreises Höxter hat Ernst Würzburger mit seinem Buch „Zwangsarbeit im Kreis Höxter“ erst 2016 geschlossen. Ohne die millionenfache Verschleppung von Zwangsarbeitern aus allen Teilen Europas hätte „Hitler-­Deutschland“ die Kriegsjahre nicht so lange überstehen können. Gerade die regionale Betrachtung dieses Themenkreises gibt Aufschluss über die Funktionsweise des nationalsozialistischen Machtsystems.
Mit dem Buch „Nationalsozialismus im Weserbergland“ haben die Autoren Christoph Reichardt und Wolfgang Schäfer im gleichen Jahr ein Werk vorgelegt, dass sich vor allem mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und ihrem geschickten Vorgehen beim Ausbau und der Sicherung ihrer Herrschaft beschäftigt.
Das vorerst letzte Buch zur Geschichte der Juden im Weserbergland hat Bernhard Gelderblom ebenfalls 2016 veröffentlicht: Die Juden von Coppenbrügge.
Über das Gedenken an die Opfer hinaus, ist in den vergangenen Jahren aber auch der Blick auf die Täter sowie die Reflexion über den Umgang mit der NS-Zeit in den ersten Nachkriegsjahren in den Fokus genommen worden.  Erkenntnisreich sind in diesem Zusammenhang das erst jüngst pu­blizierte Buch „Die NS-Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933-1937“ sowie Ernst Würzburgers Publikation „Der letzte Landsberger“ über den 1947 zum Tode verurteilten KZ-Adjudanten Hans Schmidt aus Holzminden.

2019 von Jörg Mitzkat (Kommentare: 0)